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Welches ist die korrekte Zungenruhelage?

Frage des Anwenders:

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, vor einigen Jahren habe ich den FaceFormer gekauft. Nun werden meine Beschwerden (starkes Schnarchen, Atemaussetzer) aber (besonders in Rückenlage) stärker (obwohl ich kein Übergewicht habe und fast keinen Alkohol trinke). Deshalb will ich jetzt konsequent die von Ihnen vorgeschlagenen Übungen durchführen. Hierbei habe ich zur Zungenhaltung eine Frage: Nach Ihren Zeichnungen zu schließen, würde ich vermuten, dass nur die Zungenspitze den Gaumen kurz hinter den Zähnen berühren soll. Aber gemäß anderer Internetseiten vermute ich, dass die Zunge auch noch im vorderen Teil der Gaumenwölbung anliegen soll (oder sogar noch mehr, ja nach Internetseite). Siehe z. B. https://www.stimmhaft.de/therapiefelder/kinder/myofunktionelle-stoerungen/infos-zur-zungenruhelage.html https://www.kfo-hennigsdorf.de/upload/12252638-4855063-zu-Seite-8-und-als-PDF-bei-Downloads---Pat.info-Zungenbungen.pdf Auf Ihren Bildern geht die Zunge im Verlauf von der Spitze nach hinten eher nach unten. Wenn Sie am Gaumen anliegen sollte, müsste sie eher nach oben gehen. Was ist nun richtig? Viel Dank für Ihre Bemühungen!

 

 

Antwort von Dr. Berndsen:

Ihre Anmerkung sind treffend. Natürlich kenne ich die Myofunktionelle Therapie und die von verschiedenen Autoren beschriebenen Zungenruhelage sehr gut. Ich war lange Jahre Vorsitzender des ehemaligen wissenschaftlichen MFT-eV, habe schon vor vielen Jahren zu der Methode mehrere Fachaufsätze geschrieben und ein Buch herausgegeben.

Begriff „Zungenruhelage“ – Kritische Bewertung

Seit mehr als 40 Jahren treffen wir in der medizinischen Literatur auf den Begriff „Zungenruhelage“. Gemeint ist damit die Haltung und die Positionierung der Zunge in Momenten der Ruhe. Die Zunge ist aber Teil eines bewegungsdynamischen Systems, bei dem sich ein Ruhezustand – zumindest beim lebenden Menschen - niemals einstellt. Steuernde Prozesse des Nervensystems, reizreaktive und gravitative Effekte auf die innere und äußere Zungenmuskulatur, den Unterkiefer, den Mundboden und ebenso der Atemluftstrom, variieren die Zungenlage ständig. Mit dem häufig rezitierten Begriff „Zungenruhelage“ verbindet sich daher eine irreführende Annahme. Unterstützt wird sie dadurch, dass die meisten Autoren sich darin übertreffen, eine invariante Ruhestatik der Zunge präzise zu beschreiben. Eine statische Position der Zunge gibt es aber eben nicht. Vielmehr sind es viele, ständig variierende Haltungen, die bei einer gut funktionierenden Zunge stets angepasst sind und eine richtige Zungenspannung einstellen. Wissenschaftlich betrachtet ist weder die tradierte Terminologie noch die Deskriptionen einer zur Ruhelage erklärten Zungenhaltung vertretbar. Wir rücken daher die formgebende Zungenspannung in den Vordergrund unserer Betrachtungen.


Physiologische Zungentension (biologische Spannung der Zunge)

Für die Zungendynamik spielt die Spannung der inneren und äußeren Zungenmuskulatur eine zentrale Rolle. Die Beurteilung des korrekten Spannungszustandes, wir bezeichnen ihn als „Physiologische Zungentension“, ist für die Diagnose von besonderer Bedeutung (Einteilung in hypoton, euton, hyperton). Allein die korrekte Tension und harmonische Koordination dieser Muskeln präzisieren die individuelle und variierende Form und Funktion der Zunge. Fehlspannungen der Muskulatur verursachen schlaffe Zungen (hypoton) und/oder Zungendyskinesie (hypoton oder hyperton). Eutone Zungen haben hingegen eine harmonische Grundspannung und bestimmen die physiologisch Zungenform und Zungenfunktion. Als weitere Einflüsse sind auch Unterdruckbildung in Mund und Rachen und die Reaktionen auf Nervenimpulse zu berücksichtigen. Alle zusammen sind Voraussetzung für Zungenspannung und Zungenkinetik in allen Funktionsbereichen: Koordinierte Muskelfunktion von Gaumensegel, Mund und Rachen, Ohrventilation, Kauen, Schlucken, sprachliche Artikulation.

Fehlspannungen der Zunge können nur durch eine Übungsbehandlung korrigiert werden. Bei geschlossenem Mund und selbst im Schlaf behält die Zunge ihre Spannung. Sie stellt sich auf Bewegungen ein und formt die Zunge wie eine kleine Schüssel. Zungenspitze und Zungenränder richten sich gegen den Gaumen, bzw. gegen die Alveolar Fortsätze (Teil des Kieferknochens mit Zahnfächern und Zahnfleisch) des Oberkiefers.

Es bedarf einer umfangreichen Abhandlung, um die Zungenfunktionen und deren Auswirkungen hinreichend zu erklären. Solche inhaltlichen Ausdehnungen sind für eine erfolgreiche Therapiedurchführung wenig nützlich und dienen hauptsächlich Experten, um theoretische Zusammenhänge zu verstehen. An dieser Stelle verzichten wir daher auf weitere Erklärungen.

Ausgangslage der Zungenspitzenposition bei der FaceFormer Therapie

Für die FaceFormer Übungsbehandlung benötigen wir eine präzise Beschreibung, die für jedermann verständlich ist. Wir erklären die Zungenspitzenhaltung als Ausgangslage für die Übungen so, dass sie einfach realisiert werden kann. Mit der punktuellen Orientierung stellt sich die Zunge auf ein Muster ein, das eutone Zungen beim Schlucken ausführen. Bei diesem Manöver zentriert die Zunge auch Unterkiefer und Aufbiss, und zwar unabhängig von ihrer Ausgangslage.

Mit zeitlicher Ausdehnung des FaceFormer Trainings verbessern sich Spannung, Form und Funktion der Zunge und Schluckbewegungen koordinieren sich zunehmend positiv.


Vorsicht vor falschen Zungenübungen

Gegen Fehlspannungen der Zunge werden von Behandlern unterschiedliche Übungen empfohlen. Bei vielen ist jedoch Vorsicht geboten, weil sie die komplizierte Koordination der formgebenden Zungenmuskulatur stören und sich dadurch Zungenspannung und Zungenbewegung weiter verschlechtern: Typische Beispiele für falsche Zungenübungen sind: Zungendrücken gegen einen Spatel, Zungentraining mit Gummi oder Zungenhantel etc.


Neurophysiologische, musterbezogene Übungen - FaceFormer Therapie

Voraussetzung für die korrekte, biologische Zungenspannung und Zungenbewegung ist die koordinierte inneren und äußere Zungenmuskulatur. Sie geht einher mit komplizierten, präzisen Bewegungsmustern, wie Kauen, Schlucken, Sprechen. Fehlspannungen können ausschließlich durch Übungstherapien korrigiert werden, die solche Muster berücksichtigen. Dazu dürfen Übungen sich nicht zu weit von den spezifischen Bewegungsumfang der Muster entfernen. Mit dem FaceFormer Training wird dies erstmalig berücksichtigt.


Zusammenfassung

FaceFormer Anwender konzentrieren sich bei den Übungen unter anderem auf die beschriebene Positionierung der Zungenspitze. Sie wird von uns in der Übungsanleitung zur FaceFormer Therapie beschrieben und kann spontan realisiert werden. Die Zungenspitze positioniert sich damit an einen wichtigen Angelpunkt, von dem aus sie Muskelkettenfunktionen für Mund- und Rachen sowie zur Zentrierung von Unterkiefer und Aufbiss initiiert. Mit Beginn der FaceFormer Therapie bilden sich Zungenspannung, Zungenform und Zungenbewegungen- in Abhängigkeit zur FaceFormer Übungshäufigkeit – korrekt aus.

Kann die Zungenspitze anfangs nicht zum Oberkiefer gerichtet werden, was bei kleineren Kindern oder fehlender Sensibilität der Anwender zutrifft, stellt sich die korrekte Zungenspannung trotzdem ein. Die Trainingszeit verlängert sich jedoch um einige Wochen.

Durch regelmäßiges Üben mit dem FaceFormer wird schon nach kurzer Zeit eine Zunahme von Sensibilität und Spannung der Zunge bemerkt.

 Liebe Grüße und viel Erfolg. Bitte berichten Sie uns.


 

 

Erwiderung des Anwenders:

Sehr geehrter Herr Dr. Berndsen, vielen Dank für Ihre ausführliche und aufschlussreiche Antwort! Ich will Sie nicht zu sehr in Anspruch nehmen. Aber Sie haben darum gebeten, dass ich berichte. Ich erwarte nicht, dass Sie auf diese E-Mail antworten; auch nicht, dass Sie sie zu Ende lesen. Sie ist etwas lang geraten. Seit dem 28.03.2019 übe ich regelmäßig mit dem FF. Allerdings hat sich das Schnarchen leider nicht wesentlich geändert; zumindest gemäß Schnarch-App. Wie es sich mit Atemaussetzern verhält, kann man mit der Schnarch-App nicht beurteilen. Ich habe eine relativ enge Rachenanatonomie und habe bereits als Heranwachsender geschnarcht. So wird es wohl schwierig werden, vom Schnarchen ganz wegzukommen. Es wäre schon gut, wenn keine Atemaussetzer auftreten würden. Am kommenden Donnerstag habe ich einen Termin im Schlaflabor zum Schlaf-Screening. Ich hoffe, um eine CPAP-Maske herum zu kommen. Die Zungenhaltung hat sich wohl schon verbessert. Ich versuche auch bewusst, auf eine richtige Zungenhaltung zu achten. Unter der Zunge fühlte es sich leer und fast kalt und schmerzhaft an. Inzwischen hat sich das gebessert. Durch das häufige Suchen der richtigen Zungenlage wurde die Mundschleimhaut etwas gereizt. Aber auch das hat sich inzwischen gebessert. Zwischendurch mache ich auch andere Übungen um die Zungen- und Rachenmuskulatur zu stärken; z. B. Kreisen der Zunge in der Mundvorhöhle. Den FF habe ich auch schon einmal über Nacht getragen, ohne ihn auszuspucken. Aber auch damit ist das Schnarchverhalten zumindest gemäß Schnarch-App nicht besser. Außerdem ist mir der FF bei Nacht unangenehm. Er dichtet zwar ab, so dass die Mundatmung verhindert wird, aber es werden die Lippen auseinandergedrückt. Außerdem besteht bei mir ein Schneidezahn aus einer Krone. Der FF drückt darauf, was auf Dauer Schmerzen verursacht. Deshalb trage ich den FF nachts nicht. Mit freundlichen Grüßen

 

 

Erwiderung von Dr. Berndsen:

Vielen Dank für den ausführlichen Bericht.

Es gibt natürlich anatomische Unterschiede im Mund- und Rachenraum, z.B. enge Passagen. Oft sind sie dadurch entstanden, dass bereits in früher Kindheit wichtige Wachstumsreize gefehlt haben. Ein typisches Beispiel dafür wäre die Mundatmung, die den wichtigen Unterdruckraum im Mund auflöst, der für das transversale Wachstum der Kiefer extrem wichtig ist.

Sie erwähnen einen überkronten vorstehenden Schneidzahn, die durch die FF-Membran Druck erhält, dessen Nachwirkungen Sie morgens spüren. Das spricht dafür, dass die Zähne erhebliche Positionsabweichungen hatten und haben (schiefe Zähne). Die Krone hat das lediglich etwas kaschiert. Sie entsteht in der Regel durch ständiges Zungenpressen gegen die Frontzähne, was mit jeder Schluckbewegung einhergeht. Die Zähne müssen durch eine korrekte Zungenruhelage und richtige Bewegung der Zunge beim Schlucken entlastet werden. Beides stellen wir mit der FaceFormer Therapie ein: Der Zahn erhält so lange Druck bis er sich in die Zahnreihe eingefügt hat und die Zunge führt keinen schädlichen Druck mehr auf die Zähne von innen aus. Erst wenn das erreicht ist, spüren Sie keinen Druck mehr. Die Kieferorthopädie korrigiert auch die Zähne mit solchem Druck. Er kann allerdings niemals so gut verteilt, wie bei der FaceFormer Therapie wirken. Außerdem bleiben die Ursache, der Zungendruck gegen die Zähne, bestehen. Genau das führt dazu, dass nach der KFO die Zähne sehr oft wieder schief werden.

Den gewachsenen engen Rachenraum können wir nur marginal beeinflussen. Wir schaffen allerdings das Wichtigste, die Spannung von Muskeln und Gewebe im Mund-/Rachenraum, Nasenatmung und die Einstellung korrekter Bewegungen im Mund-/Rachen. CPAP kann dies alles nicht. Es pustet schlaffes Gewebe zur Seite, um dadurch die Atemwege freier zu bekommen. Das kann aber ausschließlich bei unmittelbarer Anwendung des Gerätes funktionieren. Ohne Gerät haben Sie am nächsten Tag ihr altes Problem wieder. Sie behalten es ein Leben lang. Es verschlimmert sich sogar zunehmend, weil Sie sich an eine „Krücke“ gewöhnen und dem Organismus ständig „die Arbeit“ erleichtern.

Wenn Sie erst einmal im Schlaflabor landen, entgehen Sie in der Regel der CPAP-Versorgung nicht. Es werden Ihnen schreckliche Szenarien offeriert. Ihre dadurch erzeugte Angst, wird Sie beugen. Die meisten Patienten glauben den sogen. Experten und vergessen völlig, dass Sie auf eine rein symptomatische Behandlung eingehen, wodurch die Ursachen niemals beseitigt werden. Für eine realistische Einschätzung der CPAP-Therapie lesen Sie bitte meinen Kommentar zu einem Artikel aus dem Ärzteblatt: https://drberndsen.de/wissen/schnarchen-schlafapnoe/cpap-beatmung-uns-hilft-nicht-wer-uns-kruecken-leiht-sondern-wer-uns-gehen-lehrt.

Es ist ganz selbstverständlich, dass die FF-Übungen spürbare Veränderungen hervorrufen, auch unter, an der Zunge oder sonst wo. Sie stellen schließlich langjährig gewohnte, falsche Bewegungsmuster um und ersetzen diese durch biologisch korrekte. Das Falsche bleibt für Sie in diesem Prozess lange Zeit angenehmer, weil Sie es so gewohnt sind. Erst wenn sich die Korrektur stabilisiert und automatisieren hat, wird das biologisch richtige für Sie wesentlich angenehmer sein.

Bitte konzentrieren Sie sich ausschließlich auf die Übungen mit dem FaceFormer und versuchen Sie diese konsequent und richtig durchzuführen.

Unterlassen Sie alle anderen Übungen mit der Zunge. Sie führen sehr oft dazu, dass die Zunge aus der mühsam angebahnten Funktion wieder abgelenkt wird. Auch wenn der Erfolg auf Grund Ihrer anatomisch verengten Atemwege längere Zeit in Anspruch nimmt, ist die FaceFormer Therapie die einzige wirkliche Hilfe, die physiologische Funktionen so gut wie möglich hervorbringt.

Mit freundlichen Grüßen

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